Rhauderfehner Reformationstag 2018: Verbindendes, Trennendes und Pastore ohne Talar

Vorab: Ich verabscheue es, mich für meinen Glauben rechtfertigen  zu müssen. Und ich werde ihn auch nicht erklären. Er gehört zu mir, und ich erwarte, dass Menschen in meinem Umfeld dies akzeptieren.

Ein feste Burg… Lutherdenkmal in Lutherstadt Wittenberg. Foto: Detlef M. Plaisier

Im vergangenen Jahr durfte ich zum 500jährigen Reformationsjubiläum eine Bibelausstellung im Gemeindehaus der Rhauderfehner Hoffnungskirche kuratieren. Mir wurde klar: Dieses Thema betrifft mich über das Feierjahr hinaus. In diesem Jahr, zu 500+1, stand der Gottedienst unter dem Motto “Reformationstag feiern?”. Ja, mit Fragezeichen. Der Anlass lag auf der Hand: Erstmals war der Reformationstag in diesem Jahr auch in Niedersachsen Feiertag. Was steht hinter dieser Entscheidung? Hätte es geeignetere Tage gegeben?

Quelle: luther2017.de

Zu einem kleinen Gedankenaustausch im Rahmen des Gottesdienstes hatte die Kirchengemeinde die Regionalpolitiker Johanne Modder, Ulf Thiele und Geert Müller eingeladen. Bei allen trennenden politischen Grundeinstellungen wurde schnell klar: Hinter dem Reformationstag als zusätzlichem Feiertag stehen alle, trotz gangbarer Alternativen wie dem Tag der Verfassung, dem Europatag, dem Tag der Menschenrechte oder dem Buß- und Bettag. “Ein Tag, an dem man sich reiben kann und der dauerhaft zur Diskussion anregt”, meinte Ulf Thiele. Johanne Modder rief zur Einkehr auf, “was die Reformation mit uns gemacht hat.”

Nachdenklicher äußerte sich Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller. Man müsse den Sinn des Reformationstages sicher noch lange erklären, so seine Einschätzung, “weil viele Menschen eben recht einfach denken”. Sein Wunsch sei es, immer das Verbindende zwischen den Menschen und den Religionen zu erkennen: “Wenn wir im Geist von Matthäus 7,12 leben, entsteht ein christliches Schneeballsystem, und das hilft uns allen.”

Quelle: Gymnasium Rhauderfehn

Und der Gottesdienst? Ostfriesland ist anders im Glauben. Rhauderfehn auch. Und die Hoffnungskirche erst recht. Ohne Soli Deo Gloria (wie es zum Beispiel in Ihren auf der Orgel in der Kapelle der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Westoverledingen steht und wie Johann Sebastian Bach jede seiner Kompositionen zeichnete), ohne “Eine feste Burg ist unser Gott”, ohne Talare fehlt mir etwas an diesem Tag. Ich kann mich mit Gospel und modernen Kirchenliedern nur schwer anfreunden zu so einem festlichen Anlass – trotz meiner Worte zur Eröffnung der Bibelausstellung im vergangenen Jahr:

“Kern des Wortes „Reformation“ ist Reform.
Reform – das geht immer nach vorne.
Reform, das muss nicht gleich so eine Revolution bedeuten wie bei Luther. Reform kann auch heißen: Jeder schaue in sich hinein, was er in seinem Umfeld ändern kann, schon länger ändern wollte, wozu ihm bislang der Mut fehlte.”

Geschärft: Freiwillige Müller treffen sich zur Ausbildung in Hahnentange

Mein Kopf schwirrt von Fachbegriffen rund um historische Mühlen, die jetzt meinen Wortschatz bereichern: Billhammer und Luftfurche, Läuferstein und Bodenstein,  Haue und Schluckloch… Gestern kamen die Teilnehmer am Ausbildungskurs für Freiwillige Müller der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen zu einem Übungstag in der Hahnentanger Mühle Westrhauderfehn zusammen. Auf dem Programm stand Steineschärfen. Weil der Bodenstein in Hahnentange in exzellentem Zustand ist und sicher noch eine Generation ohne Nachbearbeitung übersteht, mussten die Teilnehmer mit dem Billhammer nur wenige Furchen ausarbeiten.

Ausruhen war dennoch nicht angesagt: Um den Bodenstein schärfen zu können, musste der darüber liegende Läuferstein mit dem Steinkran angehoben und zum Ablegen um 180° gedreht werden. Da heißt es schon mal eine Etage höher klettern, balancieren und die nötige Kraft mit viel Fingerspitzengefühl dosierenHandwerk im besten ursprünglichen Sinn.

Christian Burchardt und Hartmut Heinen, seit vielen Jahren aktive Freiwillige Müller in Hahnentange, unterstützen den Nachwuchs mit ihrem Praxiswissen. Mit sanfter Hand, nur machmal mit lauter Ungeduld,  gab Müllermeister Jan Eiklenborg den Ton an. Er hat inzwischen mehr als 300 Freiwillige Müller erfolgreich zur Prüfung geführt ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Region, der gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Glück zu!

Alle Fotos:  © Detlef M. Plaisier

 

 

Fotoausstellung eröffnet: “Wattenflug” im Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn

Lütje Hörn bei Memmert.  Foto: © Martin Stromann

«Manche Bilder entstehen einfach aus Zufall im richtigen Moment.» Martin Stromann ist Bildredakteur des Ostfriesland Magazins in Norden und seit über zwei Jahrzehnten einer der profiliertesten Fotografen der ostfriesischen Heimat. Bis zu siebenmal im Jahr steigt er in eine Cessna (mit Piloten) und hält die Wattenlandschaft zwischen Ems und Jade in einzigartigen Fotografien fest. Das Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn zeigt jetzt in der Sonderausstellung “Wattenflug” eine Auswahl davon.

“Eine herausragende Ausstellung!” urteilte Jörg Furch, ehemaliger (und für immer einziger) Gemeindedirektor von Westrhauderfehn, in seiner Laudatio. Furch weiß, wovon er spricht: Mit acht Jahren machte ihn sein Großvater mit einer Plattenkamera mit doppeltem Bodenauszug bekannt (Kenner werden mit der Zunge schnalzen) und zeigte ihm das Entwickeln und Vergrößern monochromer Aufnahmen mit einem selbstgebauten Gerät. Mit zehn Jahren bekam Jörg Furch seine erste Kamera geschenkt, eine 24×24 mm Bilora Radix Kleinbildkamera, die immer noch funktioniert. Das Sammeln von Fotoapparaten hat Jörg Furch inzwischen aufgegeben. Sein Urteil aber hat sich über Jahrzehnte verfestigt: “Heute kann fast jeder fotografieren, aber Fotografie war und bleibt eine Kunst.”

“Mal eben von oben was fotografieren” – so einfach ist das nicht, erzählt Martin Stromann. Das Flugzeug startet nur bis Windstärke sechs, “und bei offenem Fenster oder noch besser einer Maschine ohne Tür musst du dich da oben anziehen wie im Winter, mit Mütze und Schal.” Eine Stunde Flug mit Fotografieren, so Stromann, sei wie eine Stunde Karussellfahrt – kein klarer Gedanke mehr möglich. “Und am schlimmsten ist das Gefühl, wenn du von oben Seehunde zählst – immer schön in Zehnerpaketen.” Was entschädigt dafür? “Der ostfriesische Indian Summer”, meint Martin Stromann, wenn der Queller der Salzwiesen sich im Herbst rot färbt, oder das Gebiet zwischen Borkum und Juist, dass er liebevoll “ostfriesische Südsee” nennt.

Himmel und Wolken, Mensch und Tier – die Fotografie von Martin Stromann aus der Luft und “erdverwachsen” bewegt sich zwischen Reportage, Dokumentation und Kunst. Was heute in der Ausstellung “Wattenflug” fasziniert, kann morgen bei einem Besuch vor Ort schon wieder ganz anders aussehen.

Die Ausstellung “Wattenflug” ist bis einschließlich 30. September 2018 im Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn, Rajen 5, während der allgemeinen Öffnungszeiten zu sehen.

Fehn- und Schiffahrtsmuseum
Ostfriesland Magazin

Alle Fotos: © Detlef M. Plaisier

Rhauderfehn: Offene Gärten in Collinghorst

Überall in Deutschland gibt es in den Sommermonaten die Möglichkeit, private Gärten zu besichtigen. Heute öffneten im Rhauderfehner Ortsteil Collinghorst fünf private Eigentümer ihre Grünanlagen. Schon früh waren die Zufahrtwege besetzt, viele Fahrräder standen vor den Eingängen.  Weil hier noch sechzig Umzugskartons gepackt werden müssen, schauten wir nur in zwei Gärten im Gasteweg vorbei. Wir nahmen viele Anregungen mit und freuen uns in drei Wochen auf unser eigenes Stück Garten. Hier einige Impressionen:

Fotos: Sandra Gräfenstein & Detlef M. Plaisier. Plakat: Marion Lünswilken @ Malix Media Rhauderfehn

“Vielfalt an der Mühle” / General-Anzeiger, 26. Juni 2017

Bei der Mühle Hahnentange gibt es wieder einen Handwerker- und Trödlermarkt. Detlef M. Plaisier, Sprecher des Mühlenvereins, erklärt im GA-Interview, was die Besucher erwartet.

General-Anzeiger: Dieses Jahr findet am Sonntag, 2. Juli, wieder der Handwerker- und Trödlermarkt bei der Mühle Hahnentange statt. Was wird den Besuchern geboten?

Detlef M. Plaisier: Es werden an Ständen von privaten Hobbyhandwerkern unter anderem Bilder, Schmuck und Taschen verkauft. Des Weiteren lässt sich auf dem Flohmarkt, der durch private Händler betrieben wird, das eine oder andere Schnäppchen machen.

GA: Wie viel Vorbereitungszeit und Engagement von ehrenamtlichen Helfern stecken hinter einer solchen Veranstaltung?

Detlef M. Plaisier: Die „heiße Phase“ beginnt etwa zwei Monate vor der Veranstaltung. Vorher werden alle Veranstaltungen zum Jahreswechsel im Mühlenblatt angekündigt. Außerdem erkundigen wir uns bei den Ausstellern des Vorjahres, ob sie wieder an den Märkten teilnehmen möchten, und versuchen, zusätzlich neue Aussteller zu finden, was allerdings schwierig ist.

GA: Was können die Besucher das ganze Jahr über neben dem Handwerker- und Trödelmarkt in der Mühle erleben?

Detlef M. Plaisier:Wir befinden uns zur Zeit in einem Umbruch und versuchen so viele Veranstaltungen wie möglich aufrecht zu erhalten. Neben dem Handwerker- und Trödelmarkt findet jedes Jahr der Weihnachtsmarkt statt. Außerdem finden mehrere Lesungen in der Mühle statt. Und im Müllerhaus nebenan es gibt im Jahr sechs bis acht Kunstausstellungen des Kunstkreises. Des Weiteren hat die Teestube bei der Mühle von März bis Dezember an jedem Sonntag von 14 bis 17  Uhr geöffnet.

http://www.ga-online.de/-news/artikel/291934/Vielfalt-an-der-Muehle-Hahnentange