Geschärft: Freiwillige Müller treffen sich zur Ausbildung in Hahnentange

Mein Kopf schwirrt von Fachbegriffen rund um historische Mühlen, die jetzt meinen Wortschatz bereichern: Billhammer und Luftfurche, Läuferstein und Bodenstein,  Haue und Schluckloch… Gestern kamen die Teilnehmer am Ausbildungskurs für Freiwillige Müller der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen zu einem Übungstag in der Hahnentanger Mühle Westrhauderfehn zusammen. Auf dem Programm stand Steineschärfen. Weil der Bodenstein in Hahnentange in exzellentem Zustand ist und sicher noch eine Generation ohne Nachbearbeitung übersteht, mussten die Teilnehmer mit dem Billhammer nur wenige Furchen ausarbeiten.

Ausruhen war dennoch nicht angesagt: Um den Bodenstein schärfen zu können, musste der darüber liegende Läuferstein mit dem Steinkran angehoben und zum Ablegen um 180° gedreht werden. Da heißt es schon mal eine Etage höher klettern, balancieren und die nötige Kraft mit viel Fingerspitzengefühl dosierenHandwerk im besten ursprünglichen Sinn.

Christian Burchardt und Hartmut Heinen, seit vielen Jahren aktive Freiwillige Müller in Hahnentange, unterstützen den Nachwuchs mit ihrem Praxiswissen. Mit sanfter Hand, nur machmal mit lauter Ungeduld,  gab Müllermeister Jan Eiklenborg den Ton an. Er hat inzwischen mehr als 300 Freiwillige Müller erfolgreich zur Prüfung geführt ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Region, der gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Glück zu!

Alle Fotos:  © Detlef M. Plaisier

 

 

Fotoausstellung eröffnet: “Wattenflug” im Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn

Lütje Hörn bei Memmert.  Foto: © Martin Stromann

«Manche Bilder entstehen einfach aus Zufall im richtigen Moment.» Martin Stromann ist Bildredakteur des Ostfriesland Magazins in Norden und seit über zwei Jahrzehnten einer der profiliertesten Fotografen der ostfriesischen Heimat. Bis zu siebenmal im Jahr steigt er in eine Cessna (mit Piloten) und hält die Wattenlandschaft zwischen Ems und Jade in einzigartigen Fotografien fest. Das Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn zeigt jetzt in der Sonderausstellung “Wattenflug” eine Auswahl davon.

“Eine herausragende Ausstellung!” urteilte Jörg Furch, ehemaliger (und für immer einziger) Gemeindedirektor von Westrhauderfehn, in seiner Laudatio. Furch weiß, wovon er spricht: Mit acht Jahren machte ihn sein Großvater mit einer Plattenkamera mit doppeltem Bodenauszug bekannt (Kenner werden mit der Zunge schnalzen) und zeigte ihm das Entwickeln und Vergrößern monochromer Aufnahmen mit einem selbstgebauten Gerät. Mit zehn Jahren bekam Jörg Furch seine erste Kamera geschenkt, eine 24×24 mm Bilora Radix Kleinbildkamera, die immer noch funktioniert. Das Sammeln von Fotoapparaten hat Jörg Furch inzwischen aufgegeben. Sein Urteil aber hat sich über Jahrzehnte verfestigt: “Heute kann fast jeder fotografieren, aber Fotografie war und bleibt eine Kunst.”

“Mal eben von oben was fotografieren” – so einfach ist das nicht, erzählt Martin Stromann. Das Flugzeug startet nur bis Windstärke sechs, “und bei offenem Fenster oder noch besser einer Maschine ohne Tür musst du dich da oben anziehen wie im Winter, mit Mütze und Schal.” Eine Stunde Flug mit Fotografieren, so Stromann, sei wie eine Stunde Karussellfahrt – kein klarer Gedanke mehr möglich. “Und am schlimmsten ist das Gefühl, wenn du von oben Seehunde zählst – immer schön in Zehnerpaketen.” Was entschädigt dafür? “Der ostfriesische Indian Summer”, meint Martin Stromann, wenn der Queller der Salzwiesen sich im Herbst rot färbt, oder das Gebiet zwischen Borkum und Juist, dass er liebevoll “ostfriesische Südsee” nennt.

Himmel und Wolken, Mensch und Tier – die Fotografie von Martin Stromann aus der Luft und “erdverwachsen” bewegt sich zwischen Reportage, Dokumentation und Kunst. Was heute in der Ausstellung “Wattenflug” fasziniert, kann morgen bei einem Besuch vor Ort schon wieder ganz anders aussehen.

Die Ausstellung “Wattenflug” ist bis einschließlich 30. September 2018 im Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn, Rajen 5, während der allgemeinen Öffnungszeiten zu sehen.

Fehn- und Schiffahrtsmuseum
Ostfriesland Magazin

Alle Fotos: © Detlef M. Plaisier

Ehrenamtsmesse Winschoten: … und plötzlich wird daraus ein Politikum

UPDATE 28. Juni 2018
Ich habe in den letzten drei Tagen viele Gespräche geführt.  Ich habe mich über das Thema Konzentrationslager und Polen informiert; so kompakt, wie ich es trotz meiner intensiven Beschäftigung mit der NS-Zeit noch nie zuvor getan habe.

Der Ausdruck “polnisches Konzentrationslager” in meinem Beitrag war von Beginn an geographisch gemeint. Nie habe ich damit den Bezug zu einem von Polen errichteten oder betriebenen Konzentrationslager herstellen wollen.

Jetzt höre ich die Stimmen: Ah, er knickt ein. Er will doch nur weiter nach Polen einreisen können. Ja, ich ziehe diese Passage zurück, habe sie korrigiert und entschuldige mich dafür. Und das, weil ich einen Fehler gemacht habe. Ja, es gab von Polen betriebene Lager auf polnischem Boden. Dies waren jedoch Internierungslager, z.B. in Lamsdorf/Łambinowice. Es gab jedoch keine polnischen Vernichtungslager. Dieser Terminus ist falsch. Ich bedaure das. Das speziell von mir angesprochene Lager Sobibor wurde Anfang 1942 während der deutschen Besatzung Polens auf polnischem Boden von Deutschen errichtet.

Ich danke dem Polnischen Institut Leipzig für die Aufklärung zur Faktenlage. Eines bleibt für mich jedoch bestehen: Ich verurteile scharf die Einmischung einer regierungsnahen polnischen Organisation über die Grenzen hinweg. Ich habe dies dem deutschen Außenministerium mitgeteilt.


Ich mag Polen. Das Restaurant “Poniatowski” war in Leipzig mein zweites Wohnzimmer. Mit großem Herzen habe ich mich für den Erhalt des Polnischen Institutes Leipzig eingesetzt. Aber was mir heute widerfahren ist, das behagt mir gar nicht.

Ich erhalte eine Mail mit hoher Dringlichkeit von Mira Wszelaka, Chairman of the Polish League Against Defamation (Polnische Liga gegen Diffamierung). Dort heißt es:

We are writing in order to draw your attention to the fact that the gravely false and highly defamatory statement “polnische vernichtungslager” is being used in your article.

There were only camps established by Germany in German-occupied Poland.

The proper reference to the German camps therefore is as follows:

  • Deutsche Lager im deutsch besetzten Polen
  • Deutsche Nazi-Lager im von Deutschen besetzten Polen
  • Deutsche Lager im von den Nazis besetzten Polen
  • Nazi-Lager im deutsch besetzten Polen

We do call you for correction.

Also, dass muss man sich mal ganz langsam klarmachen: Da sitzt eine Organisation in Polen und lässt einen Filter über meinen Blog laufen. Der meldet ein Suchwort, und ich bekomme Post. Erinnert ja irgendwie an Geheimdienst.

Und so weit entfernt ist das auch nicht. Die Polish League Againt Defamation steht der nationalkonservativen polnischen Regierungspartei PiS nahe. Verschiedene Organisationen bezeichnen die League Against Defamation als nationalistisch. Schon mehrfach ist die Liga durch spektakuläre Aktionen aufgefallen:

The Polish League Against Defamation recently [June 2017] sent a letter to Jan Grabowski’s employer, the University of Ottawa, to complain that the historian is engaged in ‘anti-Polish activities’ that ‘defame the Polish nation’. Grabowski’s research, for which he has been awarded Yad Vashem’s International Book Prize. focuses on crimes committed by Poles against Jews during WWII. The letter (which you can read here goo.gl/yk0zOB) was also sent to all publishers that have issued his books. The letter was signed by 134 academics – not one of whom was a specialist in the history of the Holocaust or related areas.

2010 verwendete die Bundeszentrale für politische Bildung in dem Buch Jüdisches Leben in Deutschland den Begriff „polnische Konzentrationslager“. Auf Intervention des polnischen Außenministeriums sagte die Bundeszentrale zu, die komplette Auflage von 800.000 Exemplaren aus dem Handel zu nehmen.

Wie reagiere ich? Nun, ich nehme das zur Kenntnis und lasse den Artikel weiterhin unverändert bestehen. Die Diskussion ist eröffnet. Wer mag, melde sich zu Wort. Wie ich zu erreichen bin, ist ja leicht herauszufinden. Mal sehen, ob weitere Post aus Polen kommt.

Projekt deutsch-holländische Ehrenamtsmesse: Aller Anfang ist schwer

Nach dem Erfolg der ersten Leeraner Ehrenamtsmesse im November 2017 mit über 70 Ausstellern reifte in der Stabsstelle Ehrenamt des Landkreises Leer die Idee zu einem Pilotprojekt: Gemeinsam mit der jungen Gemeente Oldambt wurde die erste grenzüberschreitende deutsch-holländische Messe für das Ehrenamt konzipiert. Dass am 23. Juni 2018 übersichtliche 30 Vereine und Initiativen in die Sporthalle Winschoten kamen, ist nur auf den ersten Blick enttäuschend.

In den Niederlanden verbringen Menschen durchschnittlich zwei Stunden pro Woche mit unterschiedlichen Formen ehrenamtlchen Engagements für die Gemeinschaft. Seit 2011 absolviert jede Schülerin und jeder Schüler in der niederländischen Sekundarstufe ein Praktikum in der Gemeinwesenarbeit von mindestens 30 Stunden pro Jahr. Der Aufruf von König Willem-Alexander aus dem Jahr 2014, die Bürger mögen angesichts der öffentlichen Haushaltslage mehr Eigenverantwortung übernehmen, hat noch einmal zu einem positiven Schub geführt.
“Wir leben Europa”, sagt Monika Fricke, Leiterin der Stabstelle Ehrenamt beim Landkreis Leer, selbstbewußt und ein bisschen trotzig beim Blick auf die Ausstellertische in der Sporthalle von Winschoten. “Doch das braucht Geduld.” Und so ist jetzt schon klar, dass mit der Auswertung der ersten Partnermesse die Planungen für die nächste Auflage beginnen werden.
Mich hat beim Rundgang vor allem die Vielfalt der sozialen Projekte des Nachbarn beeindruckt. Das Sociaal Werk Oldambt hilft mit der Stichting Voedselbank (ähnlich den deutschen Tafeln) und der Stichting Azuur Menschen, die auf oder unter der Armutsgrenze leben, und das praktisch im Alltag und bei offenen Gesprächen.  Auch das Alzheimer Café in Westerwolde-Blijham bietet praktische Hilfe kostenfrei. Besonders berührt hat mich das Gespräch mit Miranda von der Stichting Vrijwillige Palliatieve Terminale Zorg. Die ehrenamtlichen Helfer begleiten Menschen in der Endphase ihres Lebens zu Hause in der gewohnten Umgebung und geben Angehörigen ein wenig Freiraum von der eigenen Belastung. “Niemand soll alleine sterben müssen”, so das verbindende Motto der Hospizbewegung. Leider war kein deutsches Pendant anwesend (warum nicht, Hospiz Huus Leer?).
Ruud Swart machte mir Appetit auf eine Stadtführung in Winschoten (unschlagbarer Preis: zwei Euro!) und erzählte mir, dass einmal 500 Juden in Winschoten gelebt haben. Dazu gehörte auch Liesel Aussen, die als zweijähriges Mädchen 1938 von Leer nach Winschoten kam. 1943 wurde die gesamte Familie über Westerbork in das polnische [siehe Update vom 28. Juni 2018] Vernichtungslager Sobibor transportiert, wo sie vergast wurden. Liesel war gerade sieben Jahre alt. In Sobibor starben bis zu 33.000 Juden aus den Niederlanden.

Bis zu einer halben Million Sinti und Roma fielen im nationalsozialistisch besetzten Europa dem Holocaust zum Opfer. Die Vorfahren und älteren Angehörigen der Leeraner Sinti-Familien kamen 1945 aus den befreiten Konzentrationslagern in die Stadt Leer. Auch heute noch sind für viele junge Sinti und Roma, von denen mehrere hundert im Landkreis Leer leben, Ausgrenzung und Misstrauen täglicher Alltag. Der 1. Sinti Verein Ostfriesland und das Projekt “PROFIL” des Synodalverbandes Leer informierten auf der Ehrenamtsmesse darüber. Zwei der drei Betreuer von “PROFIL” sind Sinti. Doch warum fehlte hier ein Partner aus den Niederlanden? Dass der klassisch ausgebildete Sinto Sascha Slavicà die Messe auf seiner Geige bravourös begleitete, wurde von den meisten Aktiven gar nicht bewusst wahrgenommen. In der Mittagspause saß er allein in der Kantine, während Vertreter anderer Vereine sich angeregt unterhielten.

Die Gespräche unter Aktiven und Besuchern machen Mut und zeigen: Da geht noch mehr. Europa lebt vom Einsatz der Bürger, nicht duch die europäische Bürokratie, und vor allem durch Beharrlichkeit. Also: Willkommen zur 3. Ehrenamtsmesse!

Palliativbewegung: www.vptzoostgroningen.nl
Sociaal Werk Oldambt: www.sociaalwerkoldambt.nl
Stadtführung Winschoten: von Mai bis August jeden Miitwoch ab 14 Uhr am Bahnhof Winschoten
Auf dem Weg von Liesel Aussen (zweisprachiges Video): www.youtube.com/watch?v=QytgyOY0n9g
PROFIL/Sinti Ostfriesland: www.synodalverband.de / www.sinti-ostfriesland.de

Die Fotos vom einem Bummel durch Winschoten und von der Ehrenamtsmesse machten Sandra Gräfenstein und Detlef M. Plaisier

Rhauderfehn: Offene Gärten in Collinghorst

Überall in Deutschland gibt es in den Sommermonaten die Möglichkeit, private Gärten zu besichtigen. Heute öffneten im Rhauderfehner Ortsteil Collinghorst fünf private Eigentümer ihre Grünanlagen. Schon früh waren die Zufahrtwege besetzt, viele Fahrräder standen vor den Eingängen.  Weil hier noch sechzig Umzugskartons gepackt werden müssen, schauten wir nur in zwei Gärten im Gasteweg vorbei. Wir nahmen viele Anregungen mit und freuen uns in drei Wochen auf unser eigenes Stück Garten. Hier einige Impressionen:

Fotos: Sandra Gräfenstein & Detlef M. Plaisier. Plakat: Marion Lünswilken @ Malix Media Rhauderfehn

Historisches Altstadtfest Leer 2. Juni 2018: Gaukler und der Datenschutz

Das Historische Altstadtfest in Leer ist etwas Besonderes. Wer hierher kommt, wird zunächst überrascht sein: Es ist eben kein traditioneller Mittelaltermarkt. Zwar finden sich auch bekannte Elemente dort wieder, aber das gesamte Programm ist regional- und kulturgeschichtlich an den Ort gebunden. Also kein Klischee, sondern Vermittlung regionaler Geschichte. Ein toller Ansatz, finde ich. Man spürt die Handelsbeziehungen von Leer in die Metropolen Europas, der Indienhandel lebt auf, und das verbunden mit dem Alltagsleben der Menschen in historischer Kulisse der Altstadt. Die auf Festen inzwischen weit verbreitete Idee der Walkacts wurde ganz besonders umgesetzt durch umherziehende fahrende Händler, Vaganten und Hausierer, eine Marketenderin und eine Wundärztin.  Dazu eine Handleserin, Bänkelsänger und ein angepasstes gastronomisches Angebot (zum Teil mit Holzbesteck) – ein gelungener Nachmittag!

Ein Wort in eigener Sache:

Ich habe für diesen Beitrag Menschen und Situationen fotografiert, klassische Veranstaltungsfotografie. Richtete ich mich streng nach der DSVGO, dürfte ich das nicht mehr. Fotografische Darstellungen werden nach dem Willen des Gesetzgebers nur noch als Datei und Daten bewertet. Das ist falsch und ein erheblicher Eingriff in die Berufsfreiheit. Auch Personen, die nicht im öffentlichen Leben stehen, müssen im jeweiligen Kontext der Aufnahme hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsrechte weiterhin als Beiwerk bewertet werden können. Veranstaltungsfotografie  – so wie heute auf dem Altstadtfest – ist nach dem 25. Mai 2018 so gut wie nicht mehr möglich, da die DSVGO das bisherige Hausrecht der Veranstalter aushebelt. Es gibt keine gesonderten Regelungen, die die Pressefreiheit von nicht in “institutionalisierten Medien” tätigen Fotografen auch nur annähernd in Betracht ziehen. Der Gesetzgeber in Bund und Ländern ist hier dringend gefordert, das eingeräumte Recht eigener nationaler Regelungen zu nutzen.

 

Unter Flügeln: Deutscher Mühlentag 2018

Der Deutsche Mühlentag 2018, traditionell am Pfingstmontag, war ein Fest für Veranstalter und Gäste. Viele nutzten das Fahrrad für eine kleine Mühlen-Rundtour bei strahlender Sonne. Ich war wieder mit Sandra Gräfenstein unterwegs, die gerade ihre einjährige Ausbildung zur Freiwilligen Müllerin absolviert. Schon jetzt verstärkt sie in Westrhauderfehn das Team der Hahnentanger Mühle. Danke an die Firma Herrenholzer Schinken Gebr. Schwarte in Börger für das Leihauto, nachdem unser treuer Corsa “Franz” vor dem Wochenende nach 220.000 Kilometern unerwartet verschieden war.

Station 1: Galerieholländer Wichers mit Teescheune in Weener-Stapelmoor

In Stapelmoor gibt es eine ganz besondere Konstellation: Anne-Else, Johanne, Titia und Wilma Wichers, die vier Töchter des letzten Müllermeisters Heinz Beene Wichers, betreiben nach dem Tod des Vaters im Jahr 2009 die Mühle weiter. Gemeinsam hatte das Quartett schon 1997 erfolgreich die Prüfung zum Freiwilligen Müller bestanden. Mich hat bei dem Besuch besonders das Zusammenspiel der Initiativen vor Ort beeindruckt: Landfrauen, Dorfverein, Mühlenverein – alle packten gemeinsam an für ein gutes Gelingen. Danke für die spontane Mühlenführung: Sie hat mein technisches Grundverständnis, das sich nur knapp oberhalb der Nulllinie bewegt, ein gutes Stück verbessert.

Station 2: Mühle Frisia, Müllermeister Jan Eiklenborg Leer-Logabirum

Müllermeister Jan Gerhard Eiklenborg kümmert sich seit Beginn des Ausbildungsgangs zum Freiwilligen Müller mit Herzblut um die Schulung des Nachwuchses. Knapp 400 freiwillige Müllerinnen und Müller haben seitdem ihren Befähigungsnachweis erhalten. Die Mühle Eiklenborg wurde 1895 vom Großvater Jan Gerads Eiklenborg errichtet. Noch immer voll funktionsfähig, verfügt die Mühle heute über zwei Schrotgänge (ein Wind-, ein Motorantrieb), einen Walzenstuhl als Haferquetsche, eine Hammermühle und eine Sägerei mit Horizontalgattersäge. “Nebenbei” werden noch 300 Legehühner versorgt. Das Hühnerfutter wird natürlich in der Mühle produziert – eine prima Übung für die angehenden Freiwilligen Müller in der praktischen Ausbildung.

Bei unserem Besuch kamen wir auf der Galerieebene der Mühle mit Alwin Eilers, Ausbildungsassistent bei Jan Eiklenborg, und einem holländischen Müllermeister ins Gespräch, der in Deutschland und den Niederlanden den Titel Müllermeister führen darf. Da war das Volksfest auf dem Mühlengelände für einige Zeit vergessen, und ich fühlte mich wieder in meinem Motto bestätigt: Geht raus und redet miteinander! Wir werden wiederkommen – mit Ideen und großer Begeisterung.

Übrigens: Den Beruf Müller gibt es  in Deutschland offiziell nicht mehr. Seit Mai 2017 lautet die Berufsbezeichnung technologisch kühl ‘Verfahrenstechnologe/-in Mühlen- und Getreidewirtschaft’. Der letzte Auszubildende, der noch die bisherige Berufsbezeichnung verwenden darf, ist Scott Hennigfeld, der seine Ausbildung in Meyers Windmühle in Bardowick / Landkreis Lüneburg absolviert. Das ZDF hat ein Portrait über ihn gedreht. Ein toller junger Mann!

Glück zu für alle, die sich dem Erhalt des Kulturdenkmals Mühle widmen!

Copyright der Fotos: Sandra Gräfenstein, Detlef M. Plaisier, Meyers Windmühle Bardowick (1). Plakat zum Deutschen Mühlentag: Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e.V.

Nationaler Mühlentag in den Niederlanden: eine beeindruckende Rundreise

In Deutschland öffnen am Pfingstmontag rund 1000 Wind-, Wasser-, Dampf- und Motormühlen zum Deutschen Mühlentag für interessierte Besucher. 2018 wird bereits der 25. Mühlentag gefeiert.

In den benachbarten Niederlanden findet der Nationale Mühlentag am zweiten Wochenende im Mai statt. Ich hatte die Gelegenheit, am 12. Mai 2018 an einer Bus-Rundreise mit der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen zu ausgesuchten Mühlen beim Nachbarn teilzunehmen. Dabei waren vor allem Freiwillige Müller, die sich an allen Haltepunkten fachkundig austauschten. Begleitet wurde ich von Sandra Gräfenstein, Auszubildende zur Freiwilligen Müllerin an der Hahnentanger Mühle in Westrhauderfehn. Ohne ehrenamtlichen Einsatz wären die Unterhaltung und der Betrieb vieler Mühlen gar nicht mehr möglich.

Es bleiben nette Menschen, neue Kontakte und viele Ideen für die eigene Arbeit. Und einige kleine Dinge zwischen den Stationen, so etwa der Organist in der protestantischen Kirche in Warffum , der für mich auf der Orgel “Großer Gott wir loben dich” spielte.

Danke an alle, die mir diesen Tag ermöglicht und gestaltet haben.

Nachfolgend einige Impressionen von einem wunderbaren Sonnentag in der Provinz Groningen. Glück zu!

Copyright aller Fotos: Sandra Gräfenstein / Detlef M. Plaisier

Station 1: Mühle (Molen) “Adam” in Delfzijl
Infos zur Mühle: https://www.youtube.com/watch?v=TKQreWnZkYA *** https://molendatabase.nl/nederland/molen.php?nummer=315

Station 2: Molen “Eva” in Usquert
Infos zur Mühle: https://www.youtube.com/watch?v=wfSw-bC0Paw *** https://www.molendatabase.nl/nederland/molen.php?nummer=372

Zwischenstopp: Freilichtmuseum “Het Hoogeland” in Warffum
Infos: https://www.hethoogeland.com/de/

Station 3: Westerhornermolen (Poldermolen) in Grijpskerk
Infos zur Mühle:
https://www.molendatabase.nl/nederland/molen.php?nummer=328

Station 4: Molen “Wilhelmina” in Noorderhoogebrug
Infos zur Mühle: https://www.youtube.com/watch?v=N_qroB3wTZE *** https://www.youtube.com/watch?v=5DyqseFcTeE *** https://www.molendatabase.nl/nederland/molen.php?nummer=348

Leipziger Buchmesse 2018: Autoren und Verlage, die mir am Herzen liegen

Seit September 2016 wohne und arbeite ich in Ostfriesland und im Emsland. Natürlich fahre ich weiter jedes Jahr zur Leipziger Buchmesse.

Ich lese in diesem Jahr nicht selber, sondern habe vier Lesungen für Autoren und Verlage organisiert, die mir am Herzen liegen. Zwei moderiere ich selber. Herzlich willkommen!

Donnerstag, 15. März, 20:00 Uhr
MONOPOL, Haus 4, Haferkornstr. 15, 04129 Leipzig
AtelierLesung im ZwischenRaum: Auf Einladung von Gemäldemacher Joachim „Jori“ Niggemeyer liest das österreichische Autorenduo J.H. Praßl aus dem Fantasyepos „Chroniken von Chaos und Ordnung“. Musikalische Begleitung: Die „Chroniken-Band“ mit Covern zu ausgewählten Textpassagen, u.a. von Eric Fish und Tex feat. Alin

Eintritt frei, Spenden erbeten

Freitag, 16. März, 20:00 Uhr
Vinothek Edelrausch, Könneritzstr. 61, 04229 Leipzig
Auch in diesem Jahr präsentiert der Hamburger Acabus-Verlag ein Autorendebut in der Vinothek von Jörg Mohr. Gabriele Albers liest aus ihrer Dystopie „Nordland“, ein Ausblick auf Deutschland im Jahr 2059.

Moderation: Detlef M. Plaisier / Eintritt frei


Samstag, 17. März, 19:30 Uhr

Galerie Potemka, Aurelienstr. 41, 04177 Leipzig
Galeristin Lu Potemka hat sich den Autor Gordon James McBane eingeladen. Er liest aus seinem Debutroman, der Mystery-Trilogie „Die Kinder von Bragolin“. Die Galerie Potemka zeigt die Fotoausstellung „Things will never be the same again“ von Tina Hartung und Johannes Wobus (Künstlergruppe “Analogical-Duological”).

Moderation: Detlef M. Plaisier / Eintritt frei, Spenden erbeten


Sonntag, 18. März, 18:00 Uhr
Ost-Passage Theater, Konradstr. 27 / Eisenbahnstr., 04315 Leipzig
(über dem ALDI Rabet)
Peter Garcia liest aus „Franzosenbalg“. Oder: Völker sind zum Mischen da. Ein biografischer Beitrag zur aktuellen Flüchtlings- und Zuwandererdebatte

Eintritt 9 Euro / ermäßigt 6 Euro