Shortlist des Deutschen Buchpreises 2015: Entwertet (Kommentar)

DIE WELT formuliert es drastisch: Mit der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2015 sei vorgezeichnet, dass sich der Deutsche Buchpreis selber abschaffe. Nicht nur, dass als großes Manko Literaturkritiker keine ausreichende Stimme in der Jury hätten (was Leipzig Lob einbringt). Wer den „provokativsten, intelligentesten, sprachmächtigsten und verstörendsten Roman des Jahres“ nicht auf die Shortlist setze (gemeint ist Clemens J. Setz‘ „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“), der entwerte den kommenden Preisträger von vornherein, wer es auch sei.

Zustimmung. Doch es gibt noch mehr zu kritisieren. Was in Deutschland auf der Agenda steht, spiegelt sich in der Auswahl wieder: Drei Männer, drei Frauen. Und durch die unbegreifliche Streichliste jetzt mit Jenny Erpenbecks „Gehen, ging, gegangen“ ein Flüchtlingsroman als Favorit. Alles andere wäre eine Überraschung. Dazu fielen neben Clemens J. Setz auch die zwei anderen Longlist-Titel von Suhrkamp durch den Jury-Rost. Ein Indieverlag ist gar nicht mehr vertreten. Subjektiv fand auch mein Favorit „Baba Dunjas letzte Liebe“ (bei KiWi) keine Gnade.

Also: Herzlichen Glückwunsch, Jenny Erpenbeck. Doch dieses Jahr ist der Deutsche Buchpreis vergleichbar dem Friedensnobelpreis an Obama: Er ist ohne Wert.